Frauengesundheit im Laufe des Lebens

Von der Pubertät bis zur Menopause hilft ein lebensphasenübergreifender Ansatz, Risiken frühzeitig zu erkennen und Prävention gezielt zu fördern

Die medizinische Diagnostik vereint zahlreiche Fachbereiche, die dazu beitragen, Gesundheit zu erhalten, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und klinische Veränderungen zu überwachen.

Dazu gehören bildgebende Verfahren – vom Schwangerschaftsultraschall bis zur DEXA-Messung zur Osteoporosediagnostik –, Laboranalysen in der Endokrinologie oder zur Beurteilung der ovariellen Reserve, pathologische Untersuchungen bei HPV-bedingten Veränderungen des Gebärmutterhalses sowie molekulargenetische Analysen bei komplexeren klinischen Fragestellungen.

Traditionell wird Frauengesundheit häufig anhand klar definierter Lebensphasen betrachtet, etwa reproduktives Alter und Menopause. Diese Einteilung ist weiterhin hilfreich, entspricht jedoch nicht immer der heutigen klinischen Realität.

Frauen leben länger, bekommen möglicherweise später oder gar keine Kinder und entwickeln häufig gesundheitliche Risiken, die sich schrittweise über Jahre hinweg verändern.

Werden diese Lebensphasen isoliert betrachtet, können wichtige Möglichkeiten zur Prävention übersehen werden. Ein lebensphasenübergreifender Ansatz richtet den Blick daher auf Übergänge, deren Zeitpunkt und die schrittweise Anhäufung von Risikofaktoren.

Pubertät: wenn der Zeitpunkt entscheidend ist

Die Pubertät ist eine Phase tiefgreifender hormoneller und metabolischer Veränderungen.

Klinische Herausforderungen entstehen insbesondere dann, wenn die pubertäre Entwicklung nicht mit dem chronologischen Alter übereinstimmt oder unregelmässig verläuft.

Entscheidungen in dieser Lebensphase können die metabolische Gesundheit, die Knochenentwicklung und die spätere reproduktive Funktion beeinflussen.

Reproduktives Alter: mehr als Fruchtbarkeit

Im reproduktiven Alter geht es um weit mehr als um Mutterschaft.

Einige Frauen entscheiden sich für Kinder – das durchschnittliche Alter bei der ersten Geburt liegt in der Schweiz bei 31,3 Jahren –, andere möchten keine Kinder oder sind von ungeklärter Infertilität betroffen.

Wenn eine Fertilitätsabklärung gewünscht wird, können Marker wie das Anti-Müller-Hormon (AMH) sowie die Schilddrüsenfunktion wichtige Hinweise für die Beratung liefern.

In dieser Lebensphase beginnt auch die individuelle Einschätzung des Brustkrebsrisikos. Die Familienanamnese spielt dabei eine zentrale Rolle.

Bei Trägerinnen pathogener Varianten der Gene BRCA1, BRCA2 oder PALB2 ist ab dem 30. Lebensjahr eine intensivierte Früherkennung angezeigt. Dabei ist die Brust-MRT empfindlicher als eine alleinige Mammografie.

Menopause: von der Symptombehandlung zur Prävention

Die Menopause ist eine häufig unterschätzte Übergangsphase.

Der Rückgang des Östrogenspiegels ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko und einem beschleunigten Verlust an Knochenmasse verbunden. In den ersten Jahren nach der Menopause kann dieser Verlust 2 bis 3 % pro Jahr betragen.

Angesichts einer weiblichen Lebenserwartung von 85,9 Jahren in der Schweiz stellt diese Phase ein wichtiges Zeitfenster für Präventionsmassnahmen dar.

Empfohlen werden unter anderem eine Beurteilung des kardiovaskulären Risikos nach der Menopause sowie eine Knochendichtemessung ab dem 65. Lebensjahr – oder früher, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen.

Screeningstrategien im Lebensverlauf

In der Schweiz wird eine Mammografie zwischen 50 und 69 Jahren empfohlen, je nach Kanton teilweise bis zum Alter von 74 Jahren.

Europäische Leitlinien erweitern organisierte Screeningprogramme auf Frauen zwischen 45 und 74 Jahren, da sich das Brustkrebsrisiko über eine breitere Altersspanne verteilt.

Von Lebensphasen zur Risikovorhersage

Ein lebensphasenübergreifender Ansatz bedeutet nicht, mehr Untersuchungen durchzuführen, sondern Risiken früher und gezielter vorherzusehen.

Ein Gestationsdiabetes erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, das polyzystische Ovarialsyndrom ist mit langfristigen metabolischen Risiken verbunden und eine frühe Menopause erfordert eine frühere Aufmerksamkeit für die Herz-Kreislauf- und Knochengesundheit.

Für Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte fördert dieser Ansatz die Kontinuität der Versorgung und rückt die langfristige Gesundheit von Frauen stärker in den Mittelpunkt der medizinischen Betreuung.

Autorin: Dr. sc. nat. Julia Falschlunger