Kaliumbestimmung: Warum präanalytische Regeln entscheidend sind
Zentrifugation, Lagerung und Probenkontamination können die Kaliumwerte erheblich beeinflussen und zu falsch hohen Ergebnissen führen
Richtige Antworten: a, b und d
Erläuterung der Antworten
a) Richtig.
Ein Röhrchen mit Trenngel darf niemals ein zweites Mal zentrifugiert werden, da eine erneute Zentrifugation die Messergebnisse beeinflussen kann (Quelle: CSCQ – Schweizerisches Zentrum für Qualitätskontrolle).
Bei der Kaliumbestimmung kann ein Anstieg von 1 bis 2 mmol/l beobachtet werden, wenn ein Röhrchen mit Trenngel zweimal zentrifugiert wird.
Wurde das Trenngelröhrchen nicht ausreichend zentrifugiert, muss das Serum zunächst in ein sauberes, leeres Gefäss überführt werden, bevor es erneut zentrifugiert wird.
b) Richtig.
Wird nicht zentrifugiertes Vollblut im Kühlschrank aufbewahrt, steigt die Kaliumkonzentration im Serum an.
Der Grund dafür ist, dass die Pumpe auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen, die den kontinuierlichen Austausch von Natrium- und Kaliumionen gewährleistet, durch die Kühlung gehemmt wird. Dieser Effekt kann auch ausserhalb des Kühlschranks auftreten, sobald die vorhandene Glukose als Energiequelle der Zellen aufgebraucht ist.
Die Kaliumkonzentration im Serum steigt nach 3 bis 12 Stunden um etwa 6 % und nach 24 Stunden um etwa 15 % an (Quelle: Daves et al., Riv. Ital. Med. Lab., 2017).
Nach spätestens 48 Stunden kann kein zuverlässiger Kaliumwert mehr bestimmt werden.
Für diese Analyse sollte das Vollblut daher möglichst bald nach Ablauf der erforderlichen Gerinnungszeit zentrifugiert werden. Wird kein Röhrchen mit Trenngel verwendet, sollte das Serum in ein anderes sauberes, leeres Gefäss pipettiert werden.
c) Falsch.
In einem EDTA-Röhrchen bindet EDTA Calcium. Das in bestimmten EDTA-Röhrchen enthaltene Kalium kann deshalb zu einem typischen Muster führen, das auf eine Probenkontamination hinweist:
Kalium > 10 mmol/l
Calcium < 0,2 mmol/l
d) Richtig.
Der Körper reguliert den Elektrolythaushalt sehr streng. Wurden die präanalytischen Vorgaben korrekt eingehalten und gilt das Ergebnis als zuverlässig, muss die Ursache einer schweren Hyperkaliämie dringend abgeklärt werden.
Fazit
Die präanalytischen Regeln sind bei der Kaliumbestimmung besonders wichtig. Werden sie nicht eingehalten, kann die Kaliumkonzentration im Serum ansteigen und zu falsch hohen Messwerten führen.
Die Zentrifugation sollte möglichst rasch nach der Blutentnahme erfolgen, sobald die Gerinnung abgeschlossen ist. Wird ein Röhrchen mit Trenngel verwendet, darf dieses nur einmal zentrifugiert werden.
Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. med. Dany Mercan, FAMH-Spezialist für klinische Chemie, unter 022 716 20 75 zur Verfügung.