Prostata-MRT: den diagnostischen Weg zwischen PSA und Biopsie gezielter gestalten
Wie die multiparametrische MRT dabei hilft, Patienten mit Biopsiebedarf von Patienten für eine sichere Verlaufskontrolle zu unterscheiden
Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern in der Schweiz. Die PSA-Bestimmung ist weiterhin ein wichtiger erster Schritt in der Abklärung, ihre geringe Spezifität kann in der hausärztlichen Praxis jedoch Unsicherheit verursachen: Mässig erhöhte Werte bedeuten nicht automatisch, dass ein Karzinom vorliegt, und umgekehrt kann ein Tumor auch bei nur leicht verändertem PSA vorhanden sein.
Umso wichtiger ist es zu wissen, wann eine weiterführende Abklärung sinnvoll ist.
In den letzten Jahren hat sich die multiparametrische Magnetresonanztomografie (mpMRT) als empfohlene Untersuchung zwischen PSA-Bestimmung und Prostatabiopsie etabliert. Sie hilft dabei zu erkennen, welche Patienten tatsächlich eine Gewebeentnahme benötigen und welche sicher weiter beobachtet werden können.
Von PSA zur MRT: der empfohlene diagnostische Weg
Europäische und Schweizer Empfehlungen sehen vor, dass bei Verdacht auf ein auf die Prostata begrenztes Karzinom vor der ersten Biopsie eine mpMRT durchgeführt werden sollte.
Die Untersuchung ermöglicht eine präzise Darstellung der Prostata und hilft dabei, klinisch relevante Läsionen von eher indolenten Veränderungen zu unterscheiden. Dadurch können unnötige Biopsien und Überdiagnosen reduziert werden.
Für Hausärztinnen und Hausärzte bedeutet ein gutes Verständnis dieses Ablaufs, Patientinnen und Patienten gezielter beraten und sie mit den relevanten klinischen Informationen auf die fachärztliche Beurteilung vorbereiten zu können.
Wann sollte eine Prostata-MRT veranlasst werden?
Eine mpMRT ist insbesondere angezeigt bei:
Anhaltend erhöhtem oder ansteigendem PSA-Wert
Auffälliger digital-rektaler Untersuchung
Erhöhtem erblichen Risiko, beispielsweise bei einem Verwandten ersten Grades mit Prostata-, Brust- oder Eierstockkrebs
Vor der Überweisung ist es sinnvoll, eine Prostatitis oder Infektion auszuschliessen, den Verlauf der PSA-Werte zu dokumentieren und frühere Biopsien anzugeben.
Die Untersuchung sollte idealerweise an einem 3-Tesla-MRT-Gerät nach einem standardisierten Protokoll durchgeführt und von erfahrenen Radiologinnen und Radiologen anhand der PI-RADS-Klassifikation beurteilt werden.
Wie ist der Befund zu interpretieren?
Die PI-RADS-Klassifikation beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Läsion einem klinisch relevanten Prostatakarzinom entspricht:
PI-RADS 4–5: hohe Wahrscheinlichkeit → Biopsie empfohlen
PI-RADS 3: mittlere Wahrscheinlichkeit → Entscheidung unter Einbezug der PSA-Dichte
PI-RADS 1–2: geringe Wahrscheinlichkeit → Verlaufskontrolle bei insgesamt niedrigem Risiko
Die PSA-Dichte (PSAd) entspricht dem Verhältnis von PSA-Wert zu Prostatavolumen. Ein Wert von ≥ 0,15 ng/mL/cc kann die Auswahl der Patienten zusätzlich verbessern und unnötige Biopsien bei vergrösserter Prostata oder nur mässig erhöhtem PSA vermeiden helfen.
MRT in der Verlaufskontrolle und aktiven Überwachung
Über die Erstdiagnostik hinaus spielt die mpMRT auch bei der aktiven Überwachung und der Therapieplanung eine wichtige Rolle.
Sie ermöglicht es, die Krankheitsentwicklung zu beobachten, ohne wiederholt Biopsien durchführen zu müssen, und unterstützt nach bestätigter Diagnose auch das Staging.
Der Beitrag künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die klinische Anwendung der Prostata-MRT.
Algorithmen können Radiologinnen und Radiologen dabei unterstützen, verdächtige Areale zu erkennen, das Prostatavolumen zu berechnen und aufeinanderfolgende Untersuchungen automatisch miteinander zu vergleichen.
KI ersetzt die klinische Expertise nicht, kann jedoch die Standardisierung und Effizienz verbessern – insbesondere bei steigender Nachfrage.
Zusammenfassung
Bleibt der PSA-Wert erhöht oder besteht weiterhin ein klinischer Verdacht, ist die mpMRT heute in der Regel der nächste Schritt vor einer Biopsie.
Die Kombination aus PI-RADS und PSA-Dichte ermöglicht eine gezieltere Patientenauswahl und unterstützt einen präziseren diagnostischen Ablauf, wodurch unnötige invasive Eingriffe reduziert werden können.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarztmedizin, Radiologie und Urologie schafft die Grundlage für eine evidenzbasierte und konsequent patientenzentrierte Versorgung.
Autorin: Dr. Martina Martins
Titel: FMH-Fachärztin für Radiologie mit Schwerpunkt urogenitale Diagnostik