Warum die Stabilisierung von Urinproben entscheidend ist

Zwei praktische Beispiele zeigen, wie die richtige Probenvorbereitung falsche Laborwerte verhindern kann

Bei der Abnahme von Urinproben – insbesondere bei 24-Stunden-Sammelurinen – ist es wichtig, die Vorschriften zur Zugabe von Stabilisatoren wie beispielsweise Salzsäure genau zu beachten. Dies wird von den Beteiligten häufig als umständlich wahrgenommen. Doch warum ist es so wichtig, ob eine Urinprobe stabilisiert ist oder nicht? Zwei Beispiele zeigen, welchen Einfluss die korrekte Probenvorbereitung auf die Zuverlässigkeit der Laborresultate hat.

Katecholamine im Urin

Bei der Sammlung eines 24-Stunden-Sammelurins zur Bestimmung der Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin ist es wichtig, dass der Urin bereits ab der ersten Sammelportion angesäuert wird. Die Salzsäure muss deshalb schon vor Beginn der Sammlung im Sammelbehälter vorhanden sein.

Der Grund dafür ist einfach: Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin sind im Urin nicht stabil. Sie werden unter anderem durch Oxidation weiter zu Metanephrin, Normetanephrin und 3-Methoxythyramin abgebaut.

Diese Abbauprodukte werden bei der Quantifizierung der Katecholamine jedoch nicht mitgemessen. Dadurch können falsch tiefe Werte entstehen, da ein Teil der Katecholamine bereits während der Sammelperiode abgebaut wird.

Durch die Zugabe von Salzsäure kann dieser Abbau verhindert werden. Ein nachträgliches Ansäuern ist nicht ausreichend, da der Abbau zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden haben kann.

Oxalat im Urin

Auch ein 24-Stunden-Sammelurin zur Bestimmung von Oxalat muss angesäuert werden. Im Gegensatz zur Katecholaminbestimmung muss der Urin jedoch nicht während der gesamten Sammelperiode angesäuert sein. Es genügt, den gesammelten Urin vor dem Einsenden ins Labor anzusäuern.

Dabei ist entscheidend, dass immer der gesamte Sammelurin mit Salzsäure angesäuert und anschliessend gründlich gemischt wird. Es darf keinesfalls nur das Aliquot angesäuert werden.

Wenn lediglich ein Aliquot ins Labor geschickt wird, muss daher zunächst der gesamte Urin angesäuert und gut gemischt werden. Erst danach darf das Aliquot entnommen werden.

Der Grund dafür liegt in den chemischen Eigenschaften von Calciumoxalat. Nierensteine bestehen häufig aus Calciumoxalat, einer Verbindung, die nur sehr schlecht wasserlöslich ist. Die Löslichkeit von Calciumoxalat in Wasser beträgt bei 20 °C lediglich etwa 0,0061 g/l.

Dadurch kann Calciumoxalat im Urin auskristallisieren und sich wie Sand am Boden des Sammelgefässes absetzen.

Wird nun beispielsweise mit einer Pipette ein Aliquot aus dem oberen Bereich des Gefässes entnommen, kann dieses deutlich weniger Oxalat enthalten als der gesamte Urin. Am Gefässboden wiederum kann die Konzentration wesentlich höher sein. Dadurch können sowohl falsch tiefe als auch falsch hohe Werte entstehen.

Durch die Zugabe von Salzsäure wird das ausgefallene Calciumoxalat in Calciumchlorid und Oxalsäure umgewandelt. Oxalsäure ist mit etwa 100 g/l bei 20 °C um ein Vielfaches besser wasserlöslich als Calciumoxalat.

So wird sichergestellt, dass das Oxalat gleichmässig im gesamten Urin verteilt ist und das Labor bei der Analyse zuverlässige Messwerte erhält.

Übrigens

Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Urinsedimente aus nicht angesäuertem Urin untersucht werden müssen. Bei angesäuertem Urin gehen Calciumoxalatkristalle in Lösung und wären unter dem Mikroskop nicht mehr sichtbar.