Wie die digitale Pathologie bei Unilabs neue Möglichkeiten für Diagnostik und Patientenversorgung eröffnet
Hochauflösende Bildgebung, künstliche Intelligenz und vernetzte Zusammenarbeit verändern Pathologie und Präzisionsmedizin
Technologische Fortschritte verändern kontinuierlich, wie Diagnosen gestellt, Behandlungen geplant und Behandlungsergebnisse verbessert werden.
Eine dieser wegweisenden Entwicklungen ist die digitale Pathologie. Sie verändert die Art und Weise, wie Pathologinnen und Pathologen, medizinische Fachpersonen und Forschende gemeinsam an der Patientenversorgung arbeiten.
Durch die Kombination hochauflösender Bildgebung, KI-gestützter Analysen und digitaler Kollaboration eröffnet die digitale Pathologie neue Möglichkeiten in der Diagnostik.
In diesem Artikel sprechen wir mit Dr. Antonin Bouroumeau, medizinischem Pathologen und Digital Transformation Lead von Unilabs Schweiz, darüber, wie die digitale Pathologie dazu beiträgt, die Präzisionsmedizin bei Unilabs weiterzuentwickeln.
Digitale Pathologie einfach erklärt
Von Glasobjektträgern zu hochauflösenden digitalen Bildern
Im Kern bedeutet digitale Pathologie, dass die in der klassischen Pathologie verwendeten Glasobjektträger in hochwertige digitale Bilder umgewandelt werden, die am Computer beurteilt werden können.
Möglich wird dies durch eine fortschrittliche Scan-Technologie namens Whole Slide Imaging (WSI).
WSI erfasst den gesamten Objektträger und erstellt ein hochwertiges digitales Abbild, das zugleich eine detaillierte Vergrösserung von Gewebeproben ermöglicht.
Pathologinnen und Pathologen können diese Bilder unabhängig vom Standort beurteilen, diagnostisch auswerten und mit Kolleginnen und Kollegen weltweit teilen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Effizienz und Zusammenarbeit.
Dr. Bouroumeau erklärt, dass Unilabs bei der Transformation zur digitalen Pathologie in der Schweiz bereits weit fortgeschritten ist.
«Wir integrieren seit einiger Zeit Elemente der digitalen Pathologie und künstlichen Intelligenz in unser Netzwerk. Nun skalieren wir diese Aktivitäten und setzen strategisch einen nationalen Rollout um.»
Er ergänzt:
«Bis Ende 2025 werden wir über die gesamte Infrastruktur sowie die erforderliche Software und Hardware verfügen, um 2026 unser erstes vollständig digitales Pathologielabor zu starten. Diesem Rollout geht eine gezielte Schulungsphase für unsere Pathologinnen und Pathologen sowie Labortechnikerinnen und Labortechniker voraus – ein entscheidender Schritt, bevor die digitale Pathologie Teil unseres Routinebetriebs wird.»
Eine neue Ära der Präzisionsmedizin
KI kann Pathologinnen und Pathologen bei der Erkennung subtiler Gewebeveränderungen unterstützen
Die digitale Pathologie schafft auch neue Möglichkeiten für den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Diagnose, Therapieplanung und weiteren Bereichen der Patientenversorgung.
KI-Algorithmen, darunter Machine-Learning- und Bilderkennungssysteme, können Pathologinnen und Pathologen dabei unterstützen, Auffälligkeiten in Gewebeproben mit hoher Präzision zu erkennen.
Diese Systeme werden mit grossen Datenmengen trainiert und können dadurch Muster und subtile Veränderungen erkennen, die visuell nur schwer wahrnehmbar sind. In bestimmten Fällen können sie auch dabei helfen, molekulare Eigenschaften eines Tumors vorherzusagen.
Dr. Bouroumeau erklärt, dass Unilabs in der Schweiz bereits mit dem IBEX Prostate AI Tool in diesem Bereich aktiv ist.
«Dieses Machine-Learning-Tool unterstützt unsere Pathologinnen und Pathologen bei der Diagnose von Prostatakrebs anhand von Gewebeproben. Wie bei allen Erkrankungen gilt: Je früher ein Problem erkannt wird, desto besser können die Behandlungsergebnisse für Patientinnen und Patienten sein.»
Er ergänzt:
«Beim Einsatz von KI geht es uns darum, für die Patientinnen und Patienten sowie Gesundheitsfachpersonen, die wir betreuen, möglichst präzise und zeitnahe Resultate zu liefern.»
Mehr Sicherheit und bessere Zusammenarbeit für Pathologinnen und Pathologen
Digitale Arbeitsabläufe verbinden Spezialistinnen und Spezialisten in Echtzeit
Die Umstellung auf digitale Pathologie bietet auch für die Pathologinnen und Pathologen von Unilabs zahlreiche Vorteile.
Pathologie, Onkologie, Radiologie und weitere Fachbereiche können auf dieselben hochauflösenden Bilder zugreifen, Fälle in Echtzeit diskutieren und ortsunabhängig zusammenarbeiten.
«Die Zeiten, in denen man warten musste, bis eine erfahrene Pathologin oder ein erfahrener Pathologe physisch im lokalen Labor anwesend ist, werden der Vergangenheit angehören. Durch unsere digitale Pathologie schaffen wir ein internationales virtuelles Expertennetzwerk. Unsere Pathologinnen und Pathologen können auf das Wissen und die Erfahrung ihrer Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen, Resultate überprüfen oder eine Zweitmeinung einholen.»
Laut Dr. Bouroumeau ermöglicht die Zusammenarbeit in Echtzeit auch schnellere und sicherere Resultate.
«Mit digitalen Arbeitsabläufen lässt sich die Bearbeitungszeit um rund 10 % verkürzen. Dadurch können zusätzliche Fälle bearbeitet oder mehr Zeit in Innovation investiert werden.»
Digitale Pathologie und KI eröffnen zudem neue Möglichkeiten für die medizinische Forschung und können Erkenntnisse fördern, die langfristig zu einer stärker personalisierten Patientenversorgung und weiteren Fortschritten in der Präzisionsmedizin führen.
Die Expertise von Unilabs stärken
Technologie soll klinische Fachkompetenz erweitern, nicht ersetzen
Dr. Bouroumeau betont, dass digitale Pathologie keinesfalls als Ersatz für die Expertinnen und Experten von Unilabs gedacht ist.
Vielmehr soll die Technologie die Fachkompetenz der Pathologinnen und Pathologen verstärken und die personalisierte Medizin weiter voranbringen.
«Durch die Kombination pathologischer Daten mit anderen diagnostischen Instrumenten wie Genomik und molekularer Profilierung kann Unilabs Gesundheitsfachpersonen dabei unterstützen, Behandlungspläne zu entwickeln, die gezielt auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten abgestimmt sind.»
Er ergänzt:
«Digitale Pathologie stärkt unsere Expertinnen und Experten durch standardisierte Qualität, kürzere Bearbeitungszeiten und die Möglichkeit, KI-Instrumente in die Routineversorgung zu integrieren. Dadurch können personalisierte Behandlungspläne weiter verbessert werden.»